Im Anschluss an die Projektwerkstatt bei der Robert-Bosch-Stiftung haben wir die Gelegenheit genutzt um unser erstes Regionaltreffen im Bundesland Baden-Württemberg abzuhalten. In Anwesenheit zahlreicher Mitglieder und einiger Gäste haben wir uns näher mit den Aufsichtsinstanzen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten beschäftigen können. Zu diesem Anlass haben wir Tarik Özyurt eingeladen, der seit einigen Jahren beim SWR die muslimischen Gemeinden in Baden-Württemberg vertritt und uns einen Einblick in die Gremienarbeit der Rundfunkräte geboten hat. Im weiteren Verlauf wurden aktuelle Entwicklungen besprochen, wie z.B. die Beeinflussung der Redaktion durch rechtspopulistischer Kreise anhand von massenweise verschickten Beschwerdebriefen, deren Umfang die Gremiensitzungen überfordert.

Dennoch betonte Herr Özyurt, dass alle Briefe mit ernsthaften Anliegen und einem angemessenen Tonfall geprüft würden. Gleichzeitig appellierte er an die Muslime in dieser Hinsicht aktiver zu werden und Kritik an die Ansprechpartner/innen der Rundfunkräte rechtzeitig heranzutragen. Dies hilft Missverständnisse auszuräumen oder einfach die eigene Sichtweise zu verdeutlichen und darüber in einen Dialog mit den Redaktionen zu treten.

Im weiteren Verlauf stellte sich unser Gast geduldig den Fragen unserer Teilnehmer/innen und klärte engagiert über die eine oder andere Unklarheit auf. Darunter waren Fragen zu den Rückmeldungen nach der Bundestagswahl.  Allgemein hat sich die Frage gestellt welche Beachtung das Mitwirken von Herrn Özyurt von Seiten der muslimischen Institutionen und Verbände im Bundesland erfahren hat. Dabei stellten wir gemeinsam fest, dass die Rückmeldungen von muslimischer Seite noch sehr verhalten und vereinzelt sind, und können daher an alle appellieren, stärker das Gespräch mit den jeweiligen Ansprechpartner/innen zu führen, um Möglichkeiten nicht ungenutzt lassen. Mit Blick auf die Erwartungshaltung nach der Gleichstellung des Islams als Religionsgemeinschaft ist es von entscheidender Bedeutung auch die eigenen Hausaufgaben zu erledigen, sprich die Voraussetzungen zu erfüllen und hierfür nötige Schritte konsequent einzuleiten.

Grundsätzlich bleibt zu konstatieren, dass selbst in aufgeblähten Gremien wie den Rundfunkräten, Muslime dem Eindruck nach lediglich über das ‚Muslim-Ticket‘ ernannt werden. Unreligiöse Organisationen mit einer breiten muslimischen Mitgliederstruktur haben es bisher ebenso versäumt zu einer Sichtbarkeit von deutschen Muslimen in ihren Organisationen beizutragen. In wenigen Fällen ist es lediglich gelungen über die sog. Ausländerräte in die Gremien gewählt zu werden. Aus unserer Sicht weist dies erhebliche Defizite in der interkulturellen Öffnung auf. Dieser Nachholbedarf bestärkt uns als GEMSA e.V. darin, eigeninitiativ zu handeln, und durch eigene Institutionen (Vereine, Zusammenschlüsse, Initiativen, etc.) die Wahrnehmbarkeit der Community zu verstärken und eigene Anliegen selbst zu artikulieren.

Aus unserem Gespräch bleibt positiv in Erinnerung, dass die Bereitschaft in den Redaktionen im Hinblick auf „gelebte Vielfalt“ dennoch immer stärker ins Bewusstsein tritt und diesbezüglich ein Wandel zu beobachten sei. Daher ist es wichtig, an diesem Punkt das Gespräch zu suchen und diese Öffnung zu unterstützen.

Unser Dank gilt Herrn Özyurt für seine Bereitschaft uns Frage und Antwort zu stehen, sowie der Robert-Bosch-Stiftung in Person von Volker Nüske, der unsere Veranstaltung durch die Bereitstellung der Räume ermöglichte.

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