Rückblickend auf die Kooperationstagung zwischen GEMSA und der FES vom 30.10.-31.10.2017 schauen wir auf zwei gehaltvolle und ereignisreiche Tage in Würzburg zurück. Mit 20 TeilnehmerInnen aus den verschiedensten Teilen Deutschlands, fünf erfahrenen ReferentInnen und der Unterstützung unserer Förderer, wurden  aktuelle gesellschaftspolitische Themen diskutiert und ausgewertet. Bei der Auswahl der ReferentInnen wurde bewusst eine thematische Vielseitigkeit (Migration, Medien, Gemeindearbeit, Recht und Wissenschaft) und eine institutionelle Verankerung berücksichtigt.

Im Folgenden möchten wir Ihnen entlang der Agendapunkte der Tagung, Einblicke in die besprochenen Themen und diskutierten Inhalte gegeben:

Gestaltung der Zuwanderungsgesellschaft im Kontext rechtspopulistischer Bewegungen


Der Vortrag von Gabriele Gün Tank bot thematisch einen sehr passenden Auftakt für die Tagung. In dem Vortrag gab Frau Gün Tank interessante Einblicke in die Wählerschaft rechtspopulistischer Parteien. Im Gegensatz zu bisherigen Annahmen hat sich erwiesen, dass die AfD Wählerstimmenanteile unabhängig von Einkommen, Bildung und sozialen Schichten gewinnen konnte. In Abgrenzung zu den etablierten Parteien wurde die AfD insbesondere von Modernisierungsskeptikern gewählt. Aus Sicht von Frau Gün Tank hatte sich die hohe Zustimmung für die AfD vor der Wahl bereits deutlich abgezeichnet. Sie ist auch als ein Ergebnis der sich über die vergangenen Jahre vollzogenen Radikalisierung der bürgerlichen Mitte zu verstehen. Nicht zuletzt betonte Sie auch die hilflosen und defensiven Versuche der etablierten Parteien mit der Problematik einen angemessenen Umgang zu finden, wodurch sich Rechtspopulisten eher bestärkt gesehen hätten.

Meinungsvielfalt in aktuellen Mediendiskursen zu Islam und Flüchtlingen


Daniel Bax eröffnete seinen Beitrag durch einen interaktiven Austausch mit Gabriele Gün Tank über die Ursachen der Manifestation von Rechtspopulismus in Deutschland, sowohl in der Politik als auch in den Medien. Im seinem darauf folgenden Beitrag ging Herr Bax auf strukturelle Faktoren der deutschen Medienlandschaft ein, die mitunter eine negative Berichterstattung förderten. Einen besonderen Fokus legte Daniel Bax hierbei auf die Unterrepräsentanz von Menschen muslimischen Hintergrunds in deutschen Medienhäusern und der Notwendigkeit diesem Trend aktiv entgegenwirken zu müssen. Ein weiteres Problem liege laut Daniel Bax in der Begünstigung einer stark polarisierenden Berichterstattung durch die Verfolgung vorrangig wirtschaftlicher Interessen in Medienhäusern.

Kamingespräch


Zum Abschluss des ersten Veranstaltungstages hielt Benjamin Idriz einen Vortrag über seine Arbeit als Imam in der islamischen Gemeinde Penzberg. Der Vortrag wurde durch wertvolle Erfahrungen aus seiner Praxis im Hinblick auf den Umgang muslimischer Akteure mit nicht-muslimischen Akteuren der Gesellschaft abgerundet und gab den TeilnehmerInnen einen inspirierenden Einblick in geplante Projekte.

Aktuelle Rechtsauffassungen und Urteile bezüglich der muslimischen Gemeinschaft in Deutschland


Dr. Monir Taik stellte in einem interaktiven Vortrag die Top 3 Rechtsfragen für Muslime an der Universität und im Berufsleben vor. Es wurden alltägliche Konfliktfelder aufgezeigt, die sich in diesem Kontext ergeben. U.a. anhand von Präzedenzfällen wurden Themen, wie das Gebet an der Universität oder am Arbeitsplatz, aus der rechtlichen Perspektive beleuchtet. Dr. Talk betonte in diesem Zusammenhang, dass es anzustreben sei, die besprochenen Konflikte im Idealfall außergerichtlich zu lösen. Im Sinne eines gesunden Miteinanders sollten die beteiligten Akteure durch rücksichtsvollen Umgang Konflikten vorbeugen.

Führung durch das mittelalterliche Würzburg mit Besuch des UNESCO-Weltkulturerbes „Residenz“


Neben dem wertvollen Input durch die ReferentInnen durfte der kulturelle Aspekt natürlich nicht zu kurz kommen. Am Dienstagnachmittag fand eine Stadtführung durch das mittelalterliche Würzburg mit Besuch des UNESCO-Weltkulturerbes „Residenz“ statt.

Deutsche/Europäische Flüchtlingspolitik: Rahmenbedingungen und Widersprüchlichkeiten


In seinem Vortrag nutzte Dr. Fabian Georgi den langen Sommer der Migration 2015/2016 als Ausgangspunkt und sprach über die anschließenden Komplikationen im Rahmen der Flüchtlingspolitik. Dabei stellte er gesellschaftliche Konflikte und polit-ökonomische Rahmenbedingungen als zwei Hauptgründe für Widersprüche in der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik gegenüber und erläuterte im weiteren Verlauf die ethisch-politischen Herausforderungen und gravierende Dilemmata dieser politischen Thematik. Obgleich er doch einiges zu kritisieren vorlochte, wollte er der vielfach beschworenen Alternativlosigkeit widersprechen und plädierte für eine ethisch und moralisch notwendige Utopie.

Entnommen aus dem Vortrag von Dr. Fabian Georgi, Philipps-Universität Marburg.

An dieser Stelle möchten wir uns ausdrücklich bei unseren ReferentInnen bedanken, die mit ihren Erfahrungen aus dem beruflichen Alltag wertvolle Erkenntnisse zu wichtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft geliefert haben. Ferner möchten wir auch die weiteren Akteure, die uns bei der Umsetzung unterstützt haben nicht unerwähnt lassen. Daher möchten wir uns beim Forum Recht & Islam, den Neuen Deutschen Organisationen, den Neuen Medienmachern e.V. und dem Münchner Forum für Islam e.V. bedanken.

Ganz besonderer Dank gilt unserem Kooperationspartner, der Abteilung Studienförderung in der Friedrich Ebert Stiftung, sowie unserem Förderer der Robert-Bosch-Stiftung, wodurch diese Veranstaltung erst realisiert werden konnte.

Ein besonderer Dank gilt unseren Kooperationspartnern.

Attachments
  • logos
  • wuerde
  • teilnehmer
  • taik
  • waqaashamza
  • idriz
  • danielbax
  • guentank

Leave us a reply

*

*

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest (z.B. navigierst) oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du dich damit einverstanden.

Schließen